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Pädagogisches Konzept

 

1. Einleitung

 

Zu betonierte Höfe, Ziergärten, zu geparkte Straßen und beengte Wohnbedingungen rauben vielen Kindern heute ihren Bewegungsraum.

Während noch vor 20 Jahren Kinder überwiegend draußen spielten, verbringt ein großer Teil unserer Kinder heute ihre Zeit in geschlossenen Räumen - sitzend vor Fernseher und Computer, im Auto, in der Schule, bei den Hausaufgaben,....

Dies hat zur Folge, dass 60% der Schulanfänger Haltungsschäden zeigen, 35% übergewichtig sind, 40% Kreislaufprobleme haben, 38% Arme und Beine nicht angemessen koordinieren können und mehr als 50% Konditionsprobleme beim Laufen, Springen und Schwimmen haben (Quelle: Gesundheitsbilanz aus dem Jahr 1994 in deutschen Kindergärten).

Bereits im Kindergartenalter wird beobachtet, dass Kinder normale Bewegungen in alltäglichen Situationen nicht mehr bewältigen können. Bewegungs-, Sinnes-, und Konzentrationsstörungen machen sich durch ein höheres Unfallrisiko im Kindergarten, während der Freizeit und im Straßenverkehr bemerkbar.

Ein Kindergarten ohne Tür und Wände bietet unseren Kindern Platz, Platz zum Kind sein im wahrsten Sinne: Raum sich frei zu bewegen, spielend die Natur begreifen , Wind und Wetter zu spüren, Platz zum Lachen, Weinen, Tanzen, Träumen...

Wie in jedem anderen Kindergarten soll auch in einem Waldkindergarten die Entwicklung jedes einzelnen Kindes zu einer selbständigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeit gefördert werden. Wichtig ist wenig Belehrung und viel Platz für die eigene Entfaltung. Die Kinder sollen Vertrauen in ihre Stärken bekommen. Sie sollen motorisch geschickt werden und den sozialen Umgang lernen. Ein strukturierter Tagesablauf gibt den Kindern Orientierung. Gemeinsam singen, spielen, basteln, Geschichten hören und viele Abenteuer erleben gehört dazu.

„Gib dem kleinen Kind einen dürren Zweig, es wird mit seiner Phantasie Rosen

daraus sprießen lassen.

Jean Paul

2. Förderung der geistig-körperlichen Entwicklung und der Sinnesschulung

 

Marianne Frostig aus den USA hat bereits in den 20er Jahren festgestellt, dass durch ausgeprägte Bewegungserfahrung Intelligenz gefördert und entwickelt wird. Auch in den 40er Jahren wurde von dem Schweizer Psychologen Jean Piaget in der Bewegung des Kindes die Grundlage für seine kognitive, soziale und emotionale Entwicklung erkannt.

Bis in die heutige Zeit bestätigen Entwicklungsforscher im „Sich-Bewegen“ eine Basis für Spracherwerb und Intelligenzentwicklung. Durch Bewegung an sich erwirbt das Kind die Fähigkeit zu gehen, zu laufen, zu springen... (Grobmotorik) und in der Folge zu malen, zu handwerken, zu schreiben...(Feinmotorik), sprich, die Koordination verschiedener Bewegungsabläufe.

Bewegungsstörungen verlaufen parallel mit einer verzögerten Sprachentwicklung. In dem Maße, wie die Sinnesentwicklung beeinträchtigt ist, ist auch die Verstandesentwicklung gestört, ist das Lernen behindert.

Wer Gleichgewichtssinn nicht entwickelt hat, hat auch Probleme mit seiner seelischen Balance.

Unsere frühesten Informationen über die Umwelt (erste Wochen und Monate nach der Geburt) erhalten wir durch Tasten, Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören und Sehen. Die Aufnahmefähigkeit der Sinnesorgane wächst in dem Maße, in dem man sie fördert. Nie wieder ist diese Schulung der Sinne so wichtig wie in den ersten Lebensjahren. Das Kind nimmt Sinneserfahrungen mit dem ganzen Körper wahr und drückt sie auch so aus.

Wo können Kinder mehr Angebote zum Tasten, Fühlen, Riechen,.... finden als draußen in der freien Natur, im Wald. Die Entdeckung der Umgebung geschieht anschaulich und lebensnah. Abenteuerlust und Bewegungsdrang können befriedigt werden.

Der Frühling ist bunt, duftend, laut, voller Leben und Bewegung; der Winter hingegen still, starr, arm an Farben und Gerüchen.

Am Wegesrand liegen Steine: stumpfe, manche mit messerscharfen Kanten, marmorglatte, rauhe, runde, große, kleine. Die unterschiedlichst gewachsenen Bäume werden entdeckt - mit glatter und rauher Baumrinde, mit krummen und geraden Ästen. Der Waldboden - feucht und moosbedeckt oder trocken mit raschelndem Buchenlaub.

In der freien Natur sind die Möglichkeiten, die sensorischen Fähigkeiten zu üben sehr viel zahlreicher, und je häufiger und vielfältiger die Sinnesreizungen stattfinden, um so sicherer wird ein Kind in seinen Bewegungen und um so besser gelingt ihm die Auseinandersetzung mit seiner Umwelt. Das Gehen auf unebenen, weichem Waldboden, das Klettern über verschiedenste Hindernisse fördert die kindliche Motorik.

Durch die vermehrte körperliche Bewegung im Wald werden auch die Organe besser beansprucht und gleichzeitig trainiert. Das kindliche Immunsystem wird dadurch positiv beeinflusst.

Viele Eltern von „Waldkindergarten-Kindern“ heben (nach einem Zeitraum von 2 Jahren) die auffallende Verbesserung der motorischen Fähigkeiten hervor. Die Vermeidung selbst kleinster Risiken erhöht letztlich die Gefahr von gefährlichen Unfällen- denn auch richtig fallen will im Kindesalter gelernt sein.

 

3. Förderung von Phantasie und Kreativität

 

Im Wald wird den Kindern eine große Fülle an Spiel- und Bastelmaterial beinahe unbegrenzt angeboten - jedoch kein vorgefertigtes Spielzeug, sondern unstrukturierte und ursprüngliche Naturmaterialien, die es zu entdecken, zu suchen gilt.

Was ist es denn, was ein Rindenstück zu einem Schiff oder ein Stück Ast zu einer Angel macht? Im Grunde nichts anderes als die kindliche Phantasie. Nicht ohne Grund wird die Zeit vom 3. Bis 5. Lebensjahr auch als „Phantasiealter“ bezeichnet.

Angeregt durch die eigene Phantasie, die auf innere Bilder, Vorstellungen und Wünsche Bezug nimmt, muss dem „unstrukturiertem Spielmaterial“ eine entsprechende Funktion zugeordnet werden: Blätter werden zu Fischen, Tannenzapfen eignen sich als Püppchen und Zwerge und ein Baumstumpf wird in einen Tisch oder Herd verwandelt.

Spielen bedeutet im Prozess sein und nicht nur das Bedienen von vorgefertigten Spielsachen. Es ist nicht das Vollendete und Fertige, was Kinder befriedigt und woran sie immer wieder Spaß und Freude haben. Es ist vielmehr die eigene Kreativität, die Möglichkeit, Neues zu schaffen, auszuprobieren und umzugestalten, sowie eigene Fähigkeiten auszuloten.

Es wird in Waldkindergärten immer wieder die Beobachtung gemacht, dass die Kinder sich oft sehr intensiv im Rollenspiel vertiefen. Durch die Aktivierung der Sinne entstehen immer wieder neue Bilder und in der Folge das Bedürfnis, diese Bilder in Handlungen umzusetzen. Der Wald bietet hierfür wahrlich eine prächtige, ständig sich wandelnde Kulisse.

 

4. Umwelt- und Naturerziehung

 

Der tägliche Aufenthalt der Kinder im Wald ermöglicht ein intensives Naturerleben und lässt sie die Natur und Umwelt

hautnah erleben und mit all ihren Sinnen wahrnehmen und entdecken: Wasser kann man in Form von Schnee, Regen, Eis oder Nebel spüren. Das jahreszeitliche Werden und Vergehen wird intensiv erlebt.

Im Waldkindergarten sollen die Kinder viel Zeit zum Beobachten haben und so die Zusammenhänge der Natur verstehen lernen. Mit der dadurch entwickelten Sensibilität lässt sich im Anschluss daran durch verantwortungsbewusstes Handeln behutsam Einfluss nehmen.

Untersuchungsergebnisse über die Frage, wie umweltbewusstes Handeln bei Schülern entsteht, zeigen, dass neben einem vorgelebten, umweltbewussten Elternhaus, sowie theoretischen Kenntnissen ein intensives Naturerlebnis von großer Bedeutung ist. Der Waldkindergarten bietet hierfür die idealen Voraussetzungen, denn wie die Initiatorin des ersten WAKi in Baden-Württemberg Waltraud Manaa treffend formuliert, ist „der Wald keine Religion und gehört nicht auf ein heiliges Podest, der Wald ist zum Anfassen da“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Sozialverhalten

 

Ein zentrales Anliegen ist es, die Gruppe zu stärken und die Entwicklung der Kinder zur Selbständigkeit zu fördern. Im Kindergarten erfährt das Kind die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.

Wie in jedem Kindergarten umfasst das soziale Lernen im Waldkindergarten, Rücksicht aufeinander zu nehmen, anderen zuzuhören, zu warten bis man an der Reihe ist, eigene Interessen zu erkennen und zu vertreten, einander zu helfen....Im Waldkindergarten als Einrichtung „ohne Tür und Wände“ - also mit genügend Platz für jeden - entstehen weniger Aggressionen. Diese können in angemessener Weise kreativ umgewandelt werden, wenn es z. B. darum geht, einen schweren Ast herbei zu schleppen oder eine glitschige Böschung zu erklimmen.

Durch den Umgang mit der Natur lernen Kinder Regeln kennen und akzeptieren.

 

6. Förderung der Schulfähigkeit

 

Wie bereits deutlich wurde (siehe Nr. 2) hängt im Vorschulalter sowohl die geistige als auch emotionale Entwicklung eines Kindes eng mit der Möglichkeit, seinen Bewegungsdrang auszuleben, zusammen. Eine innere Ausgeglichenheit auf geistigem und emotionalem Gebiet ist aber unentbehrliche Voraussetzung sowohl für die Konzentrationsfähigkeit als auch für die Bereitschaft, Neues aufzunehmen und zu behalten.

Ebenso wie in jedem Regelkindergarten bieten auch im Waldkindergarten alters- und entwicklungsspezifische Angebote zum Basteln und Spielen gute Möglichkeiten, sowohl Grob- als auch Feinmotorik zu trainieren. Die notwendige Kräftigung der Handmuskulatur erfolgt durch Klettern, Hangeln und Sägen sowie bei sich bietender Gelegenheit durch Kneten von Erde oder Ton. Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit wird durch das Aufheben, Zusammenstecken oder Auffädeln von kleinen Naturmaterialien geübt wie durch sonstige Bastelangebote.

Der bestehenden Kooperation zwischen Grundschule und den Waldenbucher Kindergärten wird sich der neu entstehende Waldkindergarten selbstverständlich anschließen. Wir sind der Ansicht, dass solch eine Kooperation vor allem den Vorschulkindern dient, eine eventuell vorhandene Schwellenangst vor der Schule abzubauen. Dies geschieht, indem sie wenigstens eine Lehrerin kennenlernen, die sie ein- bis zweimal im Wald besucht und indem sie selbst einmal eine Schulklasse im Unterricht besuchen dürfen.

 

7. Elternarbeit

 

Der Waldkindergarten als Elterninitiative setzt eine intensive Zusammenarbeit zwischen Eltern und ErzieherInnen voraus. Die starke Integration der Eltern ermöglicht ihre Mitwirkung bei der Gestaltung des Kindergartenalltags. Praktische Mithilfe von Seiten der Eltern, wie z. B. das tägliche Tee kochen oder die Bereitschaft, bei Krankheit einer Erzieherin als Zweitkraft mitzuarbeiten, ist erforderlich.

Regelmäßige Einzelgespräche zwischen Eltern und ErzieherIn gewährleisten einen Austausch über die persönliche Entwicklung des einzelnen Kindes. Elternabende finden regelmäßig statt

Im Rahmen der Vereinsarbeit werden regelmäßig Vorstandssitzungen stattfinden, sowie Vorbereitungstreffen für gemeinsame Aktionen bei öffentlichen Veranstaltungen (z. B. Stand auf dem Weihnachtsmarkt).